Monday, January 08, 2007
So langsam wird es mal wieder Zeit für einen neuen Bericht. Zumal es nicht mehr viele dieser Art geben wird. Grund dafür ist, dass die Zeit hier in Peking für Gordon so langsam abgelaufen ist. Die letzten 3 Wochen im "Reich der Mitte", wie sich China selber nennt, sind angebrochen. Am 26.01. geht der Flieger zurück in die Heimat. Bis dahin heisst es noch alle restlichen Souvenirs kaufen und noch mal all die Dinge erledigen, die zu erledigen sind. Also noch ein paar mal zur chinesischen Körpermassage, bei der man das Gefühl hat, von kleinen chinesischen Fingerchen maltretiert zu werden. Noch mal in die ausgewählten Restaurants gehen, die sich in den letzten Monaten als die besten herausgestellt haben. Noch ein letztes Mal beim Schneider vorbeischauen und vielleicht doch noch ein Hemd anfertigen zu lassen und natürlich noch den ein oder anderen Mojito mit meinen Praktikantenkollegen zu genießen. Da ich schon beim Herflug um Juli mit 22Kg Gepäck die zugelassene Grenze von 20Kg überschritten habe und hier mindestens noch mal genau so viel gekauft habe, werde ich nicht drum rum kommen ein riesiges Paket bei der Post aufzugeben. Davor graut es mir jetzt schon ein wenig. Bei der Chinesischen Post geht es zu wie bei Asterix und Obelix bei den Römern. Man muss von einer Stelle zur anderen und sich überall einen Stempel holen lassen und ohne den Stempel von dieser Person bekommt man auch leider nicht den Stempel von der nächsten und so weiter und so fort... Hinzu kommt noch, dass wir nicht unbedingt gute Erfahrungen mit der Post hier gemacht haben. Zum einen kamen Weihnachtspakete von Deutschland oder nach Deutschland nicht an und in manchen Fällen wurden aus den Paketen einfach mal ein paar Sachen (auf Kinder Schokobons scheinen die richtig zu stehen) rausgenommen und "vertilgt". Aber es bleibt nichts anderes übrig, es wird schon schief gehen... Ansonsten freue ich mich wieder nach hause zu gehen. Überflüssig zu sagen, dass ich natürlich Vreni, Familie und Freunde vermisse. Das halbe Jahr hat wirklich Spaß gemacht. Die Arbeit, die Leute und das Reisen waren echt spitze, aber nach 6 Monaten hat man genug gesehen und in der Firma ist auch so etwas wie Alltag eingetreten, was ein gutes Zeichen ist, wieder nach Deutschland zu gehen. Zumal ich mich auch an ein dauerhaftes Leben hier nur sehr schwer gewöhnen könnte. Für einen begrenzten Zeitraum ist es echt herrlich, aber sich für einen richtig langen Zeitraum hier niederzulassen, dafür muss man schon sehr tolerant sein und auch auf europäische Lebensqualität verzichten können. Die Lebensqualität wird zum einen aufgrund der fehlenden Gemütlichkeit in chinesichen Bars oder Restaurants eingeschränkt, der größte Knackpunkt ist aber einfach die schlechte Qualität der Luft, mit der man hier zu kämpfen hat, welche von den vielen Kohlewerken aber auch von dem imensen Verkehrsaufkommen verursacht wird. Das Bild weiter unten ist kein Extremfall, so oder so ähnlich sieht es hier leider sehr häufig aus. Im Moment haben wir allerdings Glück. Seit ein paar Tagen hintereinander sind der blaue Himmel und die Sonne zu sehen und man hat das Gefühl frei durchatmen zu können. Bei den Verhältnissen, wie sie auf dem Bild zu sehen sind, hat man manchmal echt keine Lust Luft zu holen. Desweiteren muss man natürlich mit dem Chinesen an sich klar kommen. Es ist einfach mal ein eigenes Volk mit seinen eigenen Sitten, das bekommt man täglich mehrmals zu spüren. Das auf den Boden Spucken, und das nicht nur draußen sondern auch im Restaurant, im Kaufhaus oder im Flugzeug, oder das ständige Schuppsen und Vordrängeln scheinen hier Volkssportart zu sein. Zumindest Letzteres kann ich einigermaßen verstehen. Bei 1,3 Mrd. Menschen muss nunmal jeder nach sich gucken, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Ich muss aber auch fairerweise sagen, dass ich nur über die Hauptstädter sprechen kann. Man kann nicht über die Chinesen an sich urteilen, dafür sind das Land und die Unterschiede innerhalb Chinas einfach zu groß. Das wäre wie wenn man über den Europäer im Allgemeinen urteilt. Das ich aber mit meiner Sichtweise nicht ganz alleine bin, zeigen nicht nur die Meinungen meiner Praktikantenkollegen, sondern auch diverse Berichte wie den unten aufgeführten aus dem SPIEGEL. An dem Bericht ist mehr Wahrheit, als man glauben möchte. Das Alles ist aber wie gesagt halb so wild. Da ich vorher noch nie in China war, bin ich ohne jegliche Erwartungen hergekommen und konnte somit auch nicht enttäuscht werden. Wie gesagt, dass die Chinesen keine Europäer sind, weiß jeder (dafür muss ich wohl 5€ ins Phrasenschwein werfen...). Alles in Allem überwiegen meine positiven Erlebnisse auf jeden Fall den "negativen" (es gab eigentlich keine negativen Erlebnisse, sondern eher Eindrücke)! Das Land an sich ist sehr sehenswert. Eine Chinarundreise lohnt sich auf jeden Fall, aber dann bitte nicht nur die "Hauptanziehungspunkte" angucken, sondern auch ruhig mal links und rechts von der Hauptstraße gucken. Dort herrscht in jeder Stadt noch das Leben, wie vor einigen Jahrzenten. Jedem, der vor der Entscheidung steht herzukommen, kann ich nur empfehlen dies zu tun, so lange es zeitlich begrenzt ist und man nicht umbedingt davon ausgeht, dass die Chinesen so sind, wie man sie aus Filmen und Berichten kennt. Was die Chinesen uns in Sachen Lebensqualität auf jeden Fall voraus haben, sind die zahlreichen Massageangebote in jeder Straße. Am Wochenende oder nach Feierabend mal durchkneten lassen ist einfach was Feines. Das halbe Jahr in Peking war sehr aufrgend und wenn man die Adressen kennt, wo man gut einkaufen kann, wo man auch mal gemütlich was trinken kann und wo man sehr gut sehr günstig essen gehen kann, dann lässt es sich hier sehr gut aushalten. Vor allem auch da wir hier 45 Praktikanten bei Mercedes sind und noch einige andere von anderen Deutschen Firmen kennen gelernt haben, wurde es nie langweilig. Jetzt genieße ich hier noch die letzten 3 Wochen und freue mich dann euch zuhause, an der FH, im Büro, auf dem Sportplatz oder sonst wo wieder zu sehen. So und jetzt hier noch die Bilder und den Bericht aus dem Spiegel von 03.01.2007:
SPIEGEL online - 03.07.2007 Spucken, drängeln, höhnen: Die Einwohner Pekings sind für ihre schlechten Manieren berüchtigt. Weil alle Appelle für besseres Benehmen nicht fruchten, greifen die Behörden jetzt zu schärferen Mitteln: Mit Blick auf Olympia 2008 stellen sie rüpelhaftes Verhalten unter Strafe.
Hamburg - Nicht mal mehr zwei Jahre bleiben bis zum Beginn der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking. Die chinesische Hauptstadt, aber auch das ganze Reich der Mitte erhofft sich von dem Sportspektakel weitere Wirtschaftsimpulse - und vor allem ein besseres Ansehen in der Welt. Deshalb versuchen die Behörden in der 15-Millionen-Stadt mit fast schon missionarischem Eifer, ihren Bürgern mehr Anstand in der Öffentlichkeit beizubringen. Bislang sind Rempeln an Bushaltestellen, Ausspucken auf der Straße oder unfreundliche Behandlung von Kunden in Geschäften gang und gäbe - Umgangsformen also, die von westlichen und anderen Olympia-Besuchern nicht goutiert werden dürften.
Spucken verboten: Peking will die Manieren seiner Bürger verbessern
Bereits im vergangenen März hatte die Stadtverwaltung eine zwei Millionen Euro schwere Kampagne zur "Zivilisierung" der Pekinger Einwohner gestartet: An den größeren Hauptstraßen ließ sie Mülleimer aufstellen, zudem sollten Tausende von Spuckbeuteln unters Volk gebracht werden. Eine in Millionenauflage gedruckte Knigge-Broschüre informierte darüber, wie man "korrekt" in diese Papiertüten zu speien habe. Weitere goldene Regeln in dem Leitfaden: Kunden in Läden und Kaufhäusern seien respektvoll zu behandeln und bei Restaurantbesuchen gewisse Tischsitten einzuhalten. Lautes Schlürfen geißelten die Sittenwächter ebenso als unschicklich wie demonstratives Rülpsen.
Doch der Erfolg dieser groß angelegten Erziehungskampagne will sich nicht recht einstellen. Das schlechte Benehmen scheint stärker zu sein als die Obrigkeit.
Verboten: Ungeduld, Geringschätzung, höhnische Kommentare
Wie sonst wäre die neueste Verlautbarung aus dem Pekinger Beamtenapparat zu verstehen? Per Gesetz ist es allen Ladenbesitzern und -angestellten in der Metropole ab dem 1. Februar offiziell und höchstamtlich verboten, ihre Kunden schlecht zu behandeln. So berichtet es die Online-Ausgabe der "Los Angeles Times". Wer also seinem im hektischen Alltag aufgestauten Ärger Luft macht, indem er Kunden anblafft oder schlicht ignoriert, riskiert künftig ein Bußgeld. Ebenfalls auf der Verbotsliste: Ungeduld, Geringschätzung, ungenaue Auskünfte, höhnische Kommentare und, ja, auch das Festhalten oder Stupsen von Passanten, um sie zum Einkauf zu "animieren".
"Diese uralte Stadt hat Einwohner hervorgebracht, die für ihre Großzügigkeit bekannt sind - aber sie hat unter den Pekingern auch eine Tradition der Ignoranz befördert, die sich im Dienstleistungssektor niederschlägt", zitiert die "L.A. Times" den "China News Service". Beschwerden über den miserablen Service in Pekings Geschäften und Restaurants seien überall im Internet zu finden. Tatsächlich häufen sich in Online-Reiseforen wie "Asiapolis" oder "east goes west" Klagen über das rüpelhafte Benehmen der Einwohner Pekings, aber auch anderer chinesischer Städte. Wie genau die neuen Vorschriften durchgesetzt werden sollen oder wie hoch das Bußgeld für all jene ausfallen wird, die sich nicht an den Knigge-Kodex halten, haben die Behörden bislang nicht mitzuteilen geruht. Das räumt den Verdacht, dass es sich bei der ganzen Aktion eher um eine neuerliche Marketingkampagne denn um eine wohldurchdachte Aktion handelt, nicht unbedingt aus.
Wie auch immer: Spätestens am 8. August 2008 werden wir wissen, ob die Bürger der chinesischen Hauptstadt ihre Umgangsformen aufpoliert haben. Dann werden Tausende von Besuchern aus aller Welt zur Eröffnung der Olympischen Spiele erwartet - und sicher ganz genau hinschauen.
