Sodele, jetzt kann es tüchtig weitergehen:
Diesmal etwas von unserer freien Zeit in der „Golden Week“. Die Golden Week ist eine Woche im Oktober, zu der ganz China quasi Urlaub hat. Hauptgrund hierfür ist der Nationalfeiertag Chinas und ein weiterer in der gleichen Woche. Da die Chinesen keinen gesetzlichen Urlaub haben, hat man sich darauf geeinigt, dass 3x im Jahr für eine Woche frei ist. 1x über Chinese New Year, welches nach dem traditionellen Chinesischen Kalender gefeiert wird und immer zwischen Mitte Januar und Mitte Februar variiert, 1x im Mai und 1x eben im Oktober. In diesen Wochen gibt es zwar nur 1-2 Feiertage, damit die Chinesen aber auch mal die Gelegenheit haben, ihre Familien zu besuchen, gibt es hier eine Regel. An den Wochenenden vor und nach diesen Wochen werden Tage reingearbeitet, dafür wird ihnen dann aber die gesamte Woche um die Feiertage rum frei gegeben. In der Golden Week war es so, dass montags der Nationalfeiertag war und ich glaube Donnerstag noch ein weiterer, also wurde der Samstag davor und der Sonntag danach gearbeitet, so dass von Montag bis Samstag frei war. Die Chinesen nutzen diese Woche auf 2 verschiedene Art und Weisen. Die einen, die in der Stadt wohnen, aber ihre Familie in anderen Provinzen haben, fahren nach hause, um sie zu besuchen. Die anderen, kommen (fast) alle nach Peking, um sich die Hauptstadt anzugucken und die ganzen Paraden mitzuerleben. In Peking ist eh schon alles mind. 3 Nummern größer, als überall anders, aber während der Golden Week ist alles noch mal viel größer und voller! An dem Nationalfeiertag waren schon morgens um 5 Uhr 1 Mio. Chinesen auf dem Tian´anmen (Platz des Himmlischen Friedens – kennen die meisten von uns von den Protesten, bei denen ein einzelner Chinese eine ganze Panzerhorde aufhalten wollte) um zuzusehen, wie die Flaggen gehisst werden. 1 Mio. Menschen sind bei 1,3 Mrd. Chinesen nun auch nicht wirklich viel, aber man merkt sie schon. Also wie gesagt, in der Golden Week hat quasi ganz China Urlaub. Das bedeutet auch, dass einfach mal ausnahmslos alle Fabriken für eine Woche geschlossen sind. So auch unser Werk. Also hatten wir plötzlich zusätzlich zu unserem regulären Urlaub eine weitere Woche frei. Ja, und da halb China in die geliebte Hauptstadt kommt, erschien es uns als sehr schlau, aus genau dieser zu „flüchten“ um den Rest vom Land noch ein bisschen kennen zulernen. Ich glaube wir Praktikanten waren ausnahmslos alle unterwegs, verteilt auf ganz China. Unser Franzose Marc und ich wollten uns unbedingt Hong Kong angucken. Also schnell eine Mail an unsere Reiseorganisatorin Amber geschickt und ruck zuck war der Flug und 4 Nächte im Cosmopolitan Hotel in HK gebucht. Wir also sonntagmorgens um 6 Uhr auf zum Flughafen und die 2000Km runter nach HK. Hong Kong war seid 1842 Britische Kolonie und wurde 1997 nach der Übergabe zurück an China zur Sonderverwaltungsregion. D.h. es gehört bei bestimmten Dingen zu China (z.B. im Verteidigungsfall), ansonsten ist es allerdings sehr autonom. HK hat seine eigene Währung und kann auch seine Steuern und Zölle selber bestimmen. Was dazu führt, dass man dort relativ günstig Shoppen kann. HK ist auch die reichste Region Chinas.
Schon kurz nach unserer Landung in HK mussten wir feststellen, dass wir nicht mehr wirklich in China sind. Erstmal ist der Flughafen ziemlich fortschrittlich. Er wurde in den letzten Jahren wohl auch 6x hintereinander zum besten Flughafen der Welt gewählt. Wie auch immer, er war schon ganz nett. Dann mussten wir feststellen, dass ziemlich viel automatisiert funktioniert und nicht so, wie in Peking wo um das Gepäckband 20 Chinesen rum stehen, von denen ca. 3 arbeiten und der Rest zuguckt. Auch bei der Fahrt zum Hotel (natürlich im Mercedes) sahen wir, dass HK sehr vom westlichen Einfluss geprägt wurde. Man hatte schon längst nicht mehr das Gefühl in China zu sein, was wir ehrlich gesagt nach knapp 2 Monaten genossen haben. Im Hotel angekommen haben wir uns erstmal frisch gemacht und uns dann mit Hannes, Mocki (mit denen ich auch in Shanghai war) und Sascha getroffen, die schon einen Tag früher geflogen sind, aber im gleichen Hotel waren. Im Supermarkt habe ich mir schnell noch eine SIM Karte für mein Handy geholt (Chinesische Karten funktionieren dort nicht) und meinen Kumpel Jörg angerufen. Mit ihm hatte ich schon von Peking aus klar gemacht, dass wir uns treffen und schön einen drauf machen. Also waren wir zu 6 bereit uns ins Nachtleben von HK zu stürzen. An diesem Sonntag war auch in HK Nationalfeiertag, zu dem ein Feuerwerk angekündigt war, das die Welt noch nicht gesehen hat. Wir also mit unserem Guide Jörg los um einen einmaligen Platz zu finden, von dem aus wir das Spektakel beobachten können. Genauso wie in Shanghai (mit der Reservierung im Restaurant) hat auch hier wieder die Dreistigkeit gesiegt. Wir sind einfach mal in einer Apartmentanlage in den Fahrstuhl gestiegen und so weit hoch wie möglich gefahren – nach dem Motto: oben ist immer gut! Wir hatten auch genau den richtigen Riecher. Wir landeten auf einem Parkdeck, von dem man einen Perfekten Blick auf das Wasser zwischen Hong Kong Island und Kowloon (Zipfel am Festland) hatte, auf dem das Feuerwerk von 3 Schiffen aus gezündet wurde. Da wir unser Revier markiert hatten und auch noch relativ viel Zeit bis zum Startschuss hatten, sind wir noch mal schnell runter, haben uns leckere Menus von McDonalds und ein paar Sixpack geholt und es uns dann auf dem Parkdeck schön gemütlich gemacht. Das Feuerwerk war wirklich bombastisch. Danach waren wir richtig in der Stimmung, loszuziehen. Dementsprechend ging der nächste Tag für uns erst etwas später los. Ähnlich wie in Shanghai haben wir dann erstmal schön gemütlich und ausgiebig gefrühstückt, diesmal am Times Square. Dann ging es los mit Shopping und Sight Seeing.
Am Dienstag habe ich mich dann mit meinem Gültlinger Kumpel Jörg, der dieses Semester in HK studiert, getroffen. Wir haben uns mit der Fähre auf den Weg zur Insel Lantaun gemacht. Dort steht der größte freistehende Buddha der Welt. Dem wollten wir natürlich auch mal „Hallo“ sagen. War auch ganz cool, aber nach ca. 2 Stunden war das dann auch erledigt. Also wir uns in einen Bus voller Einheimischer gesetzt und einfach mal ans andere Ende der Insel gefahren, um zu gucken, was es da wohl gibt. Sagen wir mal, es war nicht viel, aber das kleine Fischerdörfchen war schon ganz lustig. Haben fein geschlemmt und sind ein bisschen durch die engen Gassen geschlendert. Danach dann wieder ca. 1 Std. mit dem Bus über die ganze Insel zurück zur Anlegestelle unserer Fähre.
Am Mittwoch sind Mocki, Hannes und Sascha mit dem Zug weiter nach Hainan gefahren und Marc nach Hanoi geflogen. Ich hatte das Hotelzimmer noch eine Nacht mehr, bevor ich dann weiter zog nach Macao. Diesen Abend haben wir dann noch mal richtig genutzt. Mit Jörg und seinen Kommilitonen/innen haben wir dann ihren Stammclub genauer unter die Lupe genommen. Was ich am nächsten Morgen bei meiner Fährfahrt nach Macao etwas bereut habe. Mehr zu meinem Aufenthalt in Macao und Taipa beim nächsten Bericht.
Hier jetzt noch einige Bilder von Hong Kong!
Gordon












