Monday, October 23, 2006

Sodele, jetzt kann es tüchtig weitergehen:

Diesmal etwas von unserer freien Zeit in der „Golden Week“. Die Golden Week ist eine Woche im Oktober, zu der ganz China quasi Urlaub hat. Hauptgrund hierfür ist der Nationalfeiertag Chinas und ein weiterer in der gleichen Woche. Da die Chinesen keinen gesetzlichen Urlaub haben, hat man sich darauf geeinigt, dass 3x im Jahr für eine Woche frei ist. 1x über Chinese New Year, welches nach dem traditionellen Chinesischen Kalender gefeiert wird und immer zwischen Mitte Januar und Mitte Februar variiert, 1x im Mai und 1x eben im Oktober. In diesen Wochen gibt es zwar nur 1-2 Feiertage, damit die Chinesen aber auch mal die Gelegenheit haben, ihre Familien zu besuchen, gibt es hier eine Regel. An den Wochenenden vor und nach diesen Wochen werden Tage reingearbeitet, dafür wird ihnen dann aber die gesamte Woche um die Feiertage rum frei gegeben. In der Golden Week war es so, dass montags der Nationalfeiertag war und ich glaube Donnerstag noch ein weiterer, also wurde der Samstag davor und der Sonntag danach gearbeitet, so dass von Montag bis Samstag frei war. Die Chinesen nutzen diese Woche auf 2 verschiedene Art und Weisen. Die einen, die in der Stadt wohnen, aber ihre Familie in anderen Provinzen haben, fahren nach hause, um sie zu besuchen. Die anderen, kommen (fast) alle nach Peking, um sich die Hauptstadt anzugucken und die ganzen Paraden mitzuerleben. In Peking ist eh schon alles mind. 3 Nummern größer, als überall anders, aber während der Golden Week ist alles noch mal viel größer und voller! An dem Nationalfeiertag waren schon morgens um 5 Uhr 1 Mio. Chinesen auf dem Tian´anmen (Platz des Himmlischen Friedens – kennen die meisten von uns von den Protesten, bei denen ein einzelner Chinese eine ganze Panzerhorde aufhalten wollte) um zuzusehen, wie die Flaggen gehisst werden. 1 Mio. Menschen sind bei 1,3 Mrd. Chinesen nun auch nicht wirklich viel, aber man merkt sie schon. Also wie gesagt, in der Golden Week hat quasi ganz China Urlaub. Das bedeutet auch, dass einfach mal ausnahmslos alle Fabriken für eine Woche geschlossen sind. So auch unser Werk. Also hatten wir plötzlich zusätzlich zu unserem regulären Urlaub eine weitere Woche frei. Ja, und da halb China in die geliebte Hauptstadt kommt, erschien es uns als sehr schlau, aus genau dieser zu „flüchten“ um den Rest vom Land noch ein bisschen kennen zulernen. Ich glaube wir Praktikanten waren ausnahmslos alle unterwegs, verteilt auf ganz China. Unser Franzose Marc und ich wollten uns unbedingt Hong Kong angucken. Also schnell eine Mail an unsere Reiseorganisatorin Amber geschickt und ruck zuck war der Flug und 4 Nächte im Cosmopolitan Hotel in HK gebucht. Wir also sonntagmorgens um 6 Uhr auf zum Flughafen und die 2000Km runter nach HK. Hong Kong war seid 1842 Britische Kolonie und wurde 1997 nach der Übergabe zurück an China zur Sonderverwaltungsregion. D.h. es gehört bei bestimmten Dingen zu China (z.B. im Verteidigungsfall), ansonsten ist es allerdings sehr autonom. HK hat seine eigene Währung und kann auch seine Steuern und Zölle selber bestimmen. Was dazu führt, dass man dort relativ günstig Shoppen kann. HK ist auch die reichste Region Chinas.
Schon kurz nach unserer Landung in HK mussten wir feststellen, dass wir nicht mehr wirklich in China sind. Erstmal ist der Flughafen ziemlich fortschrittlich. Er wurde in den letzten Jahren wohl auch 6x hintereinander zum besten Flughafen der Welt gewählt. Wie auch immer, er war schon ganz nett. Dann mussten wir feststellen, dass ziemlich viel automatisiert funktioniert und nicht so, wie in Peking wo um das Gepäckband 20 Chinesen rum stehen, von denen ca. 3 arbeiten und der Rest zuguckt. Auch bei der Fahrt zum Hotel (natürlich im Mercedes) sahen wir, dass HK sehr vom westlichen Einfluss geprägt wurde. Man hatte schon längst nicht mehr das Gefühl in China zu sein, was wir ehrlich gesagt nach knapp 2 Monaten genossen haben. Im Hotel angekommen haben wir uns erstmal frisch gemacht und uns dann mit Hannes, Mocki (mit denen ich auch in Shanghai war) und Sascha getroffen, die schon einen Tag früher geflogen sind, aber im gleichen Hotel waren. Im Supermarkt habe ich mir schnell noch eine SIM Karte für mein Handy geholt (Chinesische Karten funktionieren dort nicht) und meinen Kumpel Jörg angerufen. Mit ihm hatte ich schon von Peking aus klar gemacht, dass wir uns treffen und schön einen drauf machen. Also waren wir zu 6 bereit uns ins Nachtleben von HK zu stürzen. An diesem Sonntag war auch in HK Nationalfeiertag, zu dem ein Feuerwerk angekündigt war, das die Welt noch nicht gesehen hat. Wir also mit unserem Guide Jörg los um einen einmaligen Platz zu finden, von dem aus wir das Spektakel beobachten können. Genauso wie in Shanghai (mit der Reservierung im Restaurant) hat auch hier wieder die Dreistigkeit gesiegt. Wir sind einfach mal in einer Apartmentanlage in den Fahrstuhl gestiegen und so weit hoch wie möglich gefahren – nach dem Motto: oben ist immer gut! Wir hatten auch genau den richtigen Riecher. Wir landeten auf einem Parkdeck, von dem man einen Perfekten Blick auf das Wasser zwischen Hong Kong Island und Kowloon (Zipfel am Festland) hatte, auf dem das Feuerwerk von 3 Schiffen aus gezündet wurde. Da wir unser Revier markiert hatten und auch noch relativ viel Zeit bis zum Startschuss hatten, sind wir noch mal schnell runter, haben uns leckere Menus von McDonalds und ein paar Sixpack geholt und es uns dann auf dem Parkdeck schön gemütlich gemacht. Das Feuerwerk war wirklich bombastisch. Danach waren wir richtig in der Stimmung, loszuziehen. Dementsprechend ging der nächste Tag für uns erst etwas später los. Ähnlich wie in Shanghai haben wir dann erstmal schön gemütlich und ausgiebig gefrühstückt, diesmal am Times Square. Dann ging es los mit Shopping und Sight Seeing.
Am Dienstag habe ich mich dann mit meinem Gültlinger Kumpel Jörg, der dieses Semester in HK studiert, getroffen. Wir haben uns mit der Fähre auf den Weg zur Insel Lantaun gemacht. Dort steht der größte freistehende Buddha der Welt. Dem wollten wir natürlich auch mal „Hallo“ sagen. War auch ganz cool, aber nach ca. 2 Stunden war das dann auch erledigt. Also wir uns in einen Bus voller Einheimischer gesetzt und einfach mal ans andere Ende der Insel gefahren, um zu gucken, was es da wohl gibt. Sagen wir mal, es war nicht viel, aber das kleine Fischerdörfchen war schon ganz lustig. Haben fein geschlemmt und sind ein bisschen durch die engen Gassen geschlendert. Danach dann wieder ca. 1 Std. mit dem Bus über die ganze Insel zurück zur Anlegestelle unserer Fähre.
Am Mittwoch sind Mocki, Hannes und Sascha mit dem Zug weiter nach Hainan gefahren und Marc nach Hanoi geflogen. Ich hatte das Hotelzimmer noch eine Nacht mehr, bevor ich dann weiter zog nach Macao. Diesen Abend haben wir dann noch mal richtig genutzt. Mit Jörg und seinen Kommilitonen/innen haben wir dann ihren Stammclub genauer unter die Lupe genommen. Was ich am nächsten Morgen bei meiner Fährfahrt nach Macao etwas bereut habe. Mehr zu meinem Aufenthalt in Macao und Taipa beim nächsten Bericht.
Hier jetzt noch einige Bilder von Hong Kong!

Gordon










Nach einigen Problemen mit der Seite müsste jetzt alles wieder im Lot sein.
Hier noch die versprochenen Bilder von Shanghai. U.A. auch das Babybild mit der größten Nachfrage. @Jule: Ich hoffe, dir gefällts.










Wednesday, October 11, 2006

Es hat etwas länger gedauert, aber hier nun mein nächster Bericht.

Um ehrlich zu sein, muss ich schon etwas zurückdenken, denn unser verlängertes Wochenende in Shanghai liegt ja nun auch schon 3 Wochen zurück. Aber ich denke, ich kann mich noch recht gut daran erinnern:

Mit Hannes und Mocki, 2 anderen Praktikanten, habe ich mich samstagmorgens auf den Weg Richtung Shanghai gemacht. Wir mussten relativ früh aufstehen, denn der Flieger ging um 8 Uhr und von unserem Appartement aus benötigen wir ca. 1 Std. zum Flughafen. Da wir relativ gut durchgekommen sind, haben wir erstmal am Flughafen bei Subway gefrühstückt. Der Flug war sehr ruhig, also konnten wir 3 einen Teil des verlorenen Schlafs nachholen. Unser Hotel hatten wir schon von Peking aus gebucht, also brauchten wir uns vom Flughafen nur noch ein Taxi nehmen und in die Stadtmitte zum Hotel fahren. Und das Hotel war wirklich in der Stadtmitte. Mitten in der Hauptfußgängerzone (Nanjing Dong Lu) von Shanghai. Der Große Unterschied zu Peking ist, dass man sich einfach mal zu Fuß auf den Weg machen kann, um die Stadt, oder zumindest den Stadtkern zu erkunden. Shanghai ist, mit 17 Mio Einwohnern, die größte Stadt Chinas und die achtgrößte Stadt der Welt. Man hat also schon genug damit zu tun, sich den „Stadtkern“ anzugucken. Wir sind also am ersten Tag einfach mal ein bisschen rum gelaufen, was wir sehr genossen haben, denn in Peking ist dies nicht so ohne weiteres möglich. In Peking ist es mit dem Laufen vorbei, sobald man an die nächst größere Straße kommt, die man zu fuß gar nicht überqueren kann. Und von solchen Straßen gibt es sehr viele.
Nach einem entspannten Spaziergang sind wir dann wieder die Fußgängerzone hoch geschlendert, um zu unserem Hotel zu kommen. Unterwegs haben wir einige lustige aber auch komische Sachen beobachten können, die wir zum Teil schon aus Peking kannten, aber auch zum Teil neu für uns waren. Als Beispiel solltet ihr euch das Bild von dem Baby angucken. Um nicht noch mehr Müll zu produzieren, gibt es in China für die Babys keine Windel. Als „Ersatz“ haben die kleinen einfach einen Schlitz in der Hose, der es ihnen erlaubt immer und überall ihrem „Geschäft“ nachzugehen. Und das tun sie auch, glaubt mir…
Am Hotel angekommen haben wir uns dann frisch gemacht und uns überlegt, wo wir jetzt fein essen gehen. Von anderen Praktikanten, die schon in Shanghai waren hatten wir einige Tipps bekommen und wollten einen davon ausprobieren. Also sind wir in den Spicy Market, ein Indonesisches Restaurant. Vorher hatten wir uns mit 2 anderen Praktikanten aus Peking kurzgeschlossen, die schon einen Tag früher da waren, aber in einem anderen Hotel wohnten. Zu fünft waren wir also lecker essen und haben auch die ein oder andere Flasche Wein konsumiert. Shanghai ist zwar schon etwas teurer als Peking, aber für die Qualität und sehr guten Service immer noch überhaupt nicht vergleichbar mit Deutschland. Nach dem Essen war uns nach einer gemütlich Cocktailbar. Natürlich hatten wir auch hier schon Tipps bekommen. Also ab ins Taxi und los ging´s.
Danach haben wir uns dann mal ins Nachtleben von Shanghai begeben. Nicht schlecht. Wir waren in einem Club mit sehr guter Spanischer Live Musik.
Den nächsten Morgen haben wir dann etwas später beginnen lassen. Wir sind so gegen 12h aufgestanden und haben uns dann ein gemütliches Plätzchen zum Frühstücken gesucht. Und auch das ist ein Vorteil gegenüber Peking. Obwohl Shanghai so eine große Stadt ist, gibt es hier sehr viele ruhige Plätze, an denen man draußen sitzen kann und einen Kaffee trinken kann. Dass der Kaffee dann meisten von Starbucks kam, hat uns nicht weiter gestört, denn die haben auch sehr gute Sandwichs, also war unser Frühstück schon perfekt. Beim Frühtück haben wir unseren Reiseführer studiert und haben uns danach wieder zu Fuß auf den Weg gemacht um einige der Stellen anzusteuern, die als sehenswert ausgeschrieben wurden (siehe Bilder). Abends haben wir dann wieder ein herrlich Abendessen genossen. Diesmal im Simply Thai, ein Thailändisches Restaurant, wie der Name schon sagt. Auch hier war es wieder richtig gut. Da hat es sich gelohnt, am Anfang ein bisschen rumzutricksen. Uns wurde nämlich gesagt, dass es keinen freien Tisch mehr gebe und wir doch bitte morgen wiederkommen sollten. Zum Glück sind wir nicht auf den Kopf gefallen und haben schnell reagiert. Wir haben gesagt, dass wir reserviert hätten und wollten uns das Buch zeigen lassen. Unser Name war natürlich nicht drin, was offensichtlich ein Fehler von Seiten des Restaurants gewesen sein muss. Und siehe da, auf einmal gab es doch noch einen freien Tisch für 3 Personen und dazu noch einen sehr guten. Also war das Abendessen auch gerettet.
Nach dem Essen haben wir uns dann auf die andere Seite des Flusses begeben, um zum höchsten Gebäude von China zu fahren. Der Shimao Tower ist 421m hoch und hat im 86. Stockwerk die höchste Cocktailbar der Welt. Da mussten wir natürlich rauf und den höchsten Caipirinha der trinken, den wir je hatten. Von da oben hatten wir einen herrlichen Überblick über Shanghai bei Nacht. Die Fotos von da oben sind allerdings nicht so gut geworden, da die Scheiben zu sehr gespiegelt haben.
Am nächsten Tag waren wir wieder ausgiebig Frühstücken, sind wieder herumflaniert und haben uns dann zum Mittagessen am Fluss beim Paulaner – Biergarten niedergelassen. Bei leckerem Essen und Weizenbier haben wir die Sonne genossen und auf den Trip angestoßen. Danach wollten wir dann auch noch etwas Kultur mitnehmen und sind in einen alten Kaiserlichen Garten gefahren. Unterwegs habe ich dann noch zufällig Gerd (meinen Vorgesetzten in Peking) getroffen, der für einen Messevortrag in Shanghai war. Selbst eine 17 Mio. Stadt ist also so kleine, dass man sich einfach mal so über den Weg läuft.
Natürlich versuchen wir uns hier so gut es geht zu integrieren und uns an die Chinesische Kultur anzupassen. Dazu gehört auch das „Abhocken“, was neben Schlafen zu den Lieblingsbeschäftigungen der Chinesen zählt. Überall wird abgehockt, sei es beim essen, beim Nachmittagstratsch auf der Straße oder beim Warten auf das grüne Licht bei der Fußgängerampel. Wie ihr auf dem Bild sehen könnt, wollten wir hier nicht negativ auffallen und haben uns auch immer wieder mal abgehockt. Allerdings nicht so oft und so lange, wie die Chinesen das machen, denn entweder man fällt nach 2 Minuten um, oder es tun einem vorher schon die Knie so was von weh, dass man wieder aufstehen muss.
Am Dienstag haben wir uns dann wieder auf die Heimreise begeben. Mit dem „Deutschen“ Transrapid sind wir zum Flughafen gefahren. Für eine Strecke von 30 Km benötigt der Hochgeschwindigkeitszug bei einer Spitzengeschwindigkeit von 431 KMH ca. 8 Minuten.
Wir sind dann nachts in Peking gelandet und am nächsten Tag hieß es dann wieder fleißig arbeiten.

Ja, so viel zu dem Trip nach Shanghai. Es war sehr sehenswert und durch die ca. 1000km weite Entfernung auch schon wieder etwas anders, als Peking.

Spätestens am Wochenende berichte über die Ausflüge nach Hongkong und Macao.

Viele Grüße
Gordon